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Lissabon-Konvention

Die Lissabon-Konvention bezeichnet das „Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region“, das 1997 von der UNESCO und dem Europarat erarbeitet wurde. Deutschland hat die Lissaboner Konvention 2007 ratifiziert und in Bundesrecht überführt.

Die wesentlichen Inhalte der Lissabon-Konvention werden hier kurz vorgestellt.1 Sie orientieren sich am Leitfaden zur Anerkennung der von der Hochschulrektorenkonferenz   herausgegeben wurde. Dort finden sich alle Informationen nochmals im Detail zum Nachlesen.

  •   Konzept des wesentlichen Unterschieds
    Als „wesentliche Unterschiede“ werden nur solche Unterschiede gesehen, für die gilt, dass eine Anerkennung die Erreichung des jeweiligen mit der Anerkennung verfolgten Zwecks gefährden würde. Eine Leistung soll demnach anerkannt werden, „sofern kein wesentlicher Unterschied zwischen den in einer anderen Vertragspartei vollendeten Studienzeiten und dem Teil des Hochschulprogramms, den sie in der Vertragspartei ersetzen würden, in der die Anerkennung angestrebt wird, nachgewiesen werden kann.“2
  • Beweislastumkehr und Begründungspflicht
    Die Beweislast liegt nach Lissaboner Konvention „bei der die Bewertung durchführenden Stelle“, also dem Fachprüfer. Das bedeutet für den Prüfer, dass er eine Ablehnung bzw. Teilablehnung gegenüber dem Antragsteller begründen muss. Es muss also nachgewiesen werden, dass eine Anerkennung aufgrund wesentlicher Unterschiede einen erfolgreichen Studienabschluss gefährdet.

  • Fristen des Verfahrens
    Die Lissabon-Konvention schreibt für die Bearbeitung eines Antrags eine zuvor festgelegte, angemessene Frist vor. Der Lissabon-Ausschuss empfiehlt, dass eine Frist von vier Monaten nicht überschritten werden sollte. Eine noch kürzere Bearbeitungsfrist wäre jedoch anzustreben.
  • Pflichten des Antragstellers
    Der Antragssteller hat die Pflicht seine Angaben durch entsprechende Nachweise zu belegen und wahrheitsgemäße Angaben zu machen
  • Widerspruchsrecht des Antragsstellers
    Der Antragsteller hat das Recht gegen die ablehnende Entscheidung Widerspruch einzulegen. Deshalb muss der Ablehnung eine Rechtsbehelfsbelehrung beigefügt werden, welche sowohl die Frist als auch mögliche Rechtsmittel benennt.

Bewertung der andernorts (national oder international) erworbenen Studien- und Prüfungsleistungen3

Bei der Bewertung der Studienleistungen im Hinblick auf den wesentlichen Unterschied gilt folgende Leitfrage:  Sind die Unterschiede so wesentlich, dass sie den Erfolg des Studierenden bei der Fortsetzung des Studiums gefährden würden?

Die Prüfung dieser Merkmale obliegt ausschließlich dem Prüfungsausschuss und den entsprechenden Fachprüfern.

Die fünf Schlüsselelemente bei der Prüfung auf wesentliche Unterschiede sind:

1. Qualität
Prüfung, ob die andere Hochschule und ggf. der Studiengang nach den geltenden Rechtsvorschriften akkreditiert sind (besonders wichtig bei ausländischen Universitäten)

2. Niveau
Welcher Niveaustufe ist die Leistung zuzuordnen (Bachelor, Master)?

3. Lernergebnisse
Die Anerkennungsprüfung sollte lernergebnisorientiert sein. Die Lernergebnisse sind dabei nicht detailliert auf der Mikroebene zu vergleichen, sondern im Hinblick auf die Erfordernisse des Weiterstudiums.

4. Workload
Abweichungen im quantitativen Umfang der erbrachten Studienleistungen (Abweichung im Umfang der ECTS-Credits) sind in der Regel kein Grund für die Verweigerung der Anerkennung.

5. Profil
Prüfung, ob die erzielten Lernergebnisse zum Profil des Studiengangs an der Hochschule Bezug haben. (Schwerpunkte, Qualifikations- und Kompetenzziele, Forschungs- und Anwendungsorientierung etc.)

 


[1] Siehe: Anerkennung von im Ausland erworbenen Studien- und Prüfungsleistungen. Ein Leitfaden für Hochschulen (Kurzfassung). Hochschulrektorenkonferenz (Hrsg.), Juni 2013,  S. 4f.

[2] Siehe: „Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region“. Nichtamtliche Übersetzung. Lissabon, 11.04.1997, Art.V.1.

[3] Siehe: Anerkennung von im Ausland erworbenen Studien- und Prüfungsleistungen. Ein Leitfaden für Hochschulen (Kurzfassung). Hochschulrektorenkonferenz (Hrsg.), Juni 2013, S. 10f.